Lohnt sich das?

Bei meiner Arbeit habe ich es nahezu täglich mit schwerstkranken Hunden zu tun. Häufig sind Rückenerkrankungen die Ursache für schlimmste pathologische Zustände. Nach einem schweren Bandscheibenvorfall zum Beispiel, gibt es Fälle, in denen der Hund gelähmt ist.
Für den Hund, die Besitzer, den Tierarzt und auch die Physiotherapeutin ein Ausnahmezustand aber nicht immer das Ende eines Hundelebens. Zu den riesengroßen Sorgen, Ängsten und Überforderungen der Hundehalter kommen leider immer (!) auch noch „nette“ Kommentare nahestehender oder nicht-nahestehender Menschen, die der Meinung sind, das könne doch eh nix werden. Die Tipps und Ratschläge dieser Personen sind sicher nicht böse gemeint, doch die Belastung, die daraus zusätzlich entsteht, ist immens.
Dabei sollte man als Hundebesitzer eigentlich wissen, dass es immer jemanden gibt, der alles besser weiß und in Wahrheit keine Ahnung hat. Aber in so einer Situation weiß man eben leider gar nix mehr.

Sicher, es gibt Fälle, in denen der Hund nicht wieder auf die Beine kommt. In denen die Verletzung des Rückenmarks irreparabel ist, oder in denen einem einfach die Zeit wegrennt und man den Hund nicht wieder aufgebaut bekommt. In einigen Fällen dauert es post-op einige Tage, bis sich erste Erfolge zeigen. In diesen Tagen erholt der Hundekörper sich von einer schwersten Verletzung, einer schwersten Operation und einem Schock. In diesen Tagen ist der Hund ein Pflegefall, der rund um die Uhr betreut werden muss. In diesen Tagen hat man einen inkontinenten Hund. In diesen Tagen ist das Leben für den Hund nicht lebenswert, das stimmt.
Aber: es handelt sich um eine vorrübergehende Zeit! Und ich habe viele Patienten, die nach einer entsprechenden Aufbauphase wieder normal leben können! Die wieder auf ihren 4 Beinen laufen, die ihr Geschäft ganz normal draußen verrichten! Die wieder toben und spielen und noch viele tolle Jahre vor sich haben!
Immer wenn ich diese Hunde wiedertreffe, denke ich, wie sehr sich die Mühe doch gelohnt hat und wie vorschnell viele eine Entscheidung gegen das Leben getroffen hätten.

Meine absolute Hochachtung gilt den betroffenen Hundebesitzern, die teilweise Unglaubliches leisten und um ihren Hund kämpfen. Ich bekomme immer wieder eine Gänsehaut, wenn ich an so manche Physiostunden zurückdenke, in denen wir mit viel Aufwand, Kraft, manchmal unter Tränen, manchmal laut lachend (weil auch solche Situationen immer wieder dabei sind), gemeinsam für ein Ziel gekämpft haben.

Sogar in den Fällen, in denen letztlich doch alle aufgeben mussten und es uns allen bewusst wurde, dass man manchmal eben nicht mehr helfen kann, war der Aufwand nie umsonst. Ich habe noch nie erlebt, dass irgendjemand von den direkt Beteiligten gedacht hat, „das hätten wir uns auch sparen können“. Es war vielmehr immer so, dass Hund und beteiligte Menschen froh waren, etwas tun zu können in dieser Situation und eben nicht gleich aufzugeben. Oft genug hat das Fünkchen Hoffnung dann tatsächlich zum Erfolg geführt!

Fazit: Es lohnt sich.

Danke an: Carlos, Chanel, Lissy, Carlo, Tommy, Jacky, Timmy, Dundy, Janosch, Gustav, Struppie, Gino, Rocky und all die anderen Vierbeiner.

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